Non vitae, sed scholae discimus?

Seneca sagte einmal: "Nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir!" Das stimmt nicht! Latein hilft dabei, andere Sprachen zu verstehen und Grammatik zu begreifen - auch die deutsche. Hinzu kommen spannende Texte, die auch heute durchaus noch aktuell sind und die uns z.B. in den Bereichen Philosophie und Geschichte immer wieder begegnen.

Non vitae, sed scholae discimus?

Seneca sagte einmal: "Nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir!" Das stimmt nicht! Latein hilft dabei, andere Sprachen zu verstehen und Grammatik zu begreifen - auch die deutsche. Hinzu kommen spannende Texte, die auch heute durchaus noch aktuell sind und die uns z.B. in den Bereichen Philosophie und Geschichte immer wieder begegnen.

Das Fach Latein

Latein wird ab Klasse 6 (G8) oder 7 (G9) als zweite Fremdsprache angeboten. Eingeführt wird die lateinische Sprache an unserer Schule mit dem Lehrwerk Felix neu, zu dem es auch Zusatzmaterialien, wie z. B. Arbeitshefte gibt, die ebenfalls im Unterricht eingesetzt werden. Dazu kommen natürlich selbsterstellte Arbeitsbögen, Kreuzworträtsel, Lernzirkel und kreative Auseinandersetzungen mit den Texten. Ab dem 4. Lehrjahr wird es dann noch spannender: Die Schülerinnen und Schüler sind in der Lage, richtige lateinische Texte zu lesen. Welche Möglichkeiten dies bietet, könnt ihr im weiteren Verlauf sehen! 

Auseinandersetzung mit der europäischen Kultur

Wer kennt noch die Begriffe „Sisyphusarbeit“, „Tantalusqualen“, „ein Fass ohne Boden“ oder sogar das sprichwörtliche „Prokrustesbett“? Im Lateinunterricht kann man viel über Sprichwörter und Stichpunkte der europäischen Kultur lernen, da uns reichhaltige Texte überliefert sind, die zum Forschen einladen. Das Schöne an den lateinischen Texten ist, dass fast jedes heute noch aktuelle Thema für Kinder und Jugendliche aufgegriffen wird. Horaz und Seneca philosophieren über eine gute Lebensweise, um die Zeit richtig zu nutzen. Ovid gibt Tipps, wie, wo und wann man seinen Traumpartner am besten kennenlernen kann, Cicero ist ein leuchtendes Beispiel im Bereich der Redekunst, Vergil bietet uns tolle Mythen und Livius gibt uns Einblicke in die Geschichte und das Geschichtsverständnis der Römer. Es ist also für jede Schülerin und jeden Schüler in aller Regel Entdeckenswertes dabei und regt dazu an, über die eigene, heutige Situation nachzudenken. Die europäische Kultur wäre ohne die Römer absolut undenkbar

Inhalte des Lateinunterrichts

Zunächst sollen die Schülerinnen und Schüler mit den Grundzügen der lateinischen Sprache erkennen und lernen, einfache Texte zu übersetzen. Dabei geht es zuerst um den römischen Alltag und Themen wie beispielsweise Religion der Römer, Land- und Stadtleben und der Umgang mit Naturkatastrophen. Dann werden antike Mythen und ihre Bedeutung für heute untersucht – zum Beispiel, wie man mit einem scheinbar übermächtigen Gegner umgehen sollte. Dazu muss man nur zu Odysseus und Polyphem schauen… Aber wir möchten an dieser Stelle noch nicht zu viel verraten! In der Oberstufe werden die Themenbereiche Politik und Geschichte, Mythos, Religion und Philosophie und Poetik behandelt. Während der Lektürephase begegnen den Schülerinnen und Schülern Texte antiker Autoren wie Cäsar, Cicero, Ovid, Catull, Sallust, Vergil, Tacitus oder Plinius. Doch nicht nur klassische Autoren finden sich hier wieder: für Interessierte stehen durchaus auch mittelalterliche Werke von z.B. Petraca oder die Carmina Burana auf dem Programm. Immerhin war Latein im Mittelalter und sogar in der Neuzeit die Wissenschaftssprache! Auf gelegentlichen Exkursionen, etwa auf den Spuren mittelalterlicher Inschriften in Lübeck oder nach Kalkriese, zum Ort der Varusschlacht, zu Ausstellungen in Hamburg oder auf Klassen- oder Studienfahrten (Xanten, Rom, Neapel) erfahren die Schülerinnen und Schüler die lebendige Gegenwart des Lateinischen und der antiken Kultur in der Kunst, in Bauwerken und in der archäologischen Forschung.

Methoden

Angeblich gab es mal Zeiten, in denen nur stumpf lateinische Texte übersetzt wurden. Das hat sich natürlich geändert: Zum Repertoire des modernen Lateinunterrichts gehört u. a. das szenische Sprechen oder Aufführen der Texte, die Behandlung oder das Erstellen von lateinischen Comics, das Gestalten von Bildern oder Anfertigen von Collagen zum Text, das Basteln von römischen Kinderspielen, das Verfassen kreativer Texte (auf Deutsch!) als Reaktion auf den lateinischen Text. Denn wie bereits zu sehen war (z.B. unter „Kultursprache Europas“), ist Latein eine außerordentlich lebendige Sprache und soll demnach auch so behandelt werden.

Kultursprache Europas, Basis für die romanischen Sprachen

Latein war die Sprache der Römer. Der Name Latein leitet sich von der Landschaft Latium (heute Lazio) ab, aus der die Römer stammten. Da das römische Reich, das imperium Romanum, fast das gesamte heutige Europa umfasste, verwundert es nicht, dass wir die Spuren der Römer heute immer noch sehen können – vor allem auch in der Sprache. Denn aus den Dialekten des gesprochenen Lateins entwickelten sich mit der Zeit die modernen romanischen Fremdsprachen (Italienisch, Spanisch, Französisch, Portugiesisch, Rumänisch). Diese weisen noch heute so viele Ähnlichkeiten mit dem Lateinischen auf, dass Latein als Basis das Erlernen der Fremdsprachen erleichtert. Sogar das Englische hat sich viele, viele Vokabeln aus dem Lateinischen geklaut. Das erleichtert das Vokabellernen für beide Sprachen ungemein.

Und es darf außerdem nicht vergessen werden, dass viele deutsche Wörter ebenfalls aus dem Lateinischen kommen! Eine kleine Auswahl:

  • Abitur – Auch unser höchster Schulabschluss stammt aus dem Lateinischen. Abitur heißt nichts anderes als „man geht weg“.
  • Literatur – von littera, was nicht mehr heißt als „Buchstabe“. Aber viele Buchstaben zusammen…
  • Addition – von addere, was „hinzufügen“ heißt. So wird das Verwechslungspotenzial im Matheunterricht minimiert. A propos:
  • minimieren – von minimus,a,um, was „der, die, das kleinste“ heißt. Minimieren heißt also „so klein wie möglich machen“.
  • Jura – das beliebte Studienfach heißt übersetzt „Rechte“, und in diesem Studienfach tummeln sich die Latinismen, z.B. „in dubio pro reo“, also die Aufforderung, im Zweifel für den Angeklagten zu stimmen.

Der Nutzen für die Gegenwart

Immer noch ist eine der häufigsten Fragen, warum man Latein denn überhaupt noch brauche.

Kein Mensch spricht heutzutage noch Latein. Ist also alles sinnlos? Natürlich nicht. Der Lateinunterricht bietet viele Vorteile, die auch in anderen Fächern von großem Nutzen sein können. Denn es stimmt schon, dass die beiden Hauptschwerpunkte im Unterricht beim Übersetzen und Interpretieren der lateinischen Texte liegen. Aber genau darin liegt eine große Chance: Wir schauen uns Literatur genau an, achten genau auf sprachliche Kleinigkeiten und schaffen so ein Verständnis für die Sprache (und nicht nur die lateinische!) als System!

Außerdem ist immer eine große Herausforderung, den lateinischen Text in ein schönes Deutsch zu fassen – was manchmal leichter klingt als es ist. So wird allerdings das Ausdrucksvermögen umfassend geschult, was sich bei vielen Schülerinnen und Schülern noch nie als Nachteil herausgestellt hat. Ein letzter Punkt: Wenn man Latein fünf Jahre hatte und im Zeugnis mindestens die glatte 4 steht, ist man stolzer Inhaber des KMK-Latinums. Dies ist für manche Studienfächer nach wie vor Voraussetzung. Und eine Sache darf man nie vergessen: Latein macht Spaß! Ansonsten wird die Broschüre „Latein hilft die deutsche Sprache zu beherrschen“ für interessierte Eltern empfohlen.