Künstler und Identität
Einleitung/Erklärung
Schon immer war für einen Künstler seine die Identität sehr wichtig. Künstler konnte nur sein, wer von der Gesellschaft akzeptiert wurde. An dieser großen Hürde scheitern viele Künstler, da die Gesellschaft alleine schon nach ihrer Identität sucht. Die Schwierigkeit, eine nicht immer vernunftbasierte Kreativität in einer Industriegesellschaft populär zu machen, ist groß. Wenn der Künstler jedoch in der Lage ist, die Grenzen in der Gesellschaft mit seinen Ideen zu überwinden, ist er auf dem richtigen Weg zu einer eigenen und akzeptierten Identität.
Bezug zur Romantik
Während in der Weimarer Klassik ein rationales, also vernünftiges Denken herrschte, ging es während der Epoche der Romantik von 1795-1840 darum, die Welt möglichst intensiv zu erleben. Der Dichter Novalis beschrieb die Romantisierung so: „ Indem ich dem Gemeinen einen hohen Sinn, dem Gewöhnlichen ein geheimnisvolles Aussehen, dem Bekannten die Würde des Unbekannten, dem Endlichen einen unendlichen Schein gebe, so romantisiere ich es“. Künstler fanden ihre Identitäten in dieser Epoche außerhalb der Gesellschaft, sie galten nicht mehr als Ratgeber, sondern als Außenseiter. Auch im 21. Jahrhundert sind die meisten Künstler Außenseiter. Dieser Aspekt bedeutet für den Künstler zwar das Leben am Rande der Gesellschaft, jedoch gibt es für ihn auch einen gewaltigen Vorteil: Er kann sich und seine Welt als Außenstehender und damit oftmals ästhetischer betrachten, als die in die Gesellschaft voll integrierten Menschen.
Bezug zu „Aus dem Leben eines Taugenichts“
Der Taugenichts als Künstler findet seine Identität immer wieder in der Musik. Er spielt seine Geige, damit seine Geliebte ihn in ihrem Haus in Rom wiedererkennt. Er hat also einen eigenen Stil, der nur ihn ausmacht. Im achten Kapitel kann man sehen, wie der Taugenichts auf der Geige spielt um die Anerkennung der Gesellschaft zu erlangen: Um von den unterbrochenen Musikern und dem Streit abzulenken, fängt er an zu spielen und die Gesellschaft im Schlossgarten weiß dies zu schätzen. Jedoch ist der Taugenichts eben kein Künstler, der, wie es in der Weimarer Klassik üblich war, als Vorbild angesehen war, sondern eben doch nur ein armer Geiger. Wie man in der Szene erkennen kann, muss er erst in der richtigen Situation spielen, um anerkannt zu werden. Während der Spätromantik, in deren Epoche auch „aus dem Leben eines Taugenichts“ spielt, kommt es zu einer „Herabstimmung des hohen Künstlerbilds“.
Bezug zu anderen Werken der Spätromantik
Die in der Spätromantik oft erkennbare „Herabstimmung des hohen Künstlerbilds“ ist auch in „Der arme Spielmann“ von Franz Grillparzer wiederzufinden. In der 1848 erschienenen Rahmennovelle geht es um einen Geiger, der während der Romantik immer tiefer in der Gesellschaft absinkt, jedoch trotzdem höflich und anständig bleibt und naiv und fast lebensunfähig durch die Welt geht. Der Lebenslauf des Geigers ist ein Beispiel für viele Lebensläufe von Künstlern. Auch die Novelle „Des Lebens Überfluss“ von Ludwig Tieck ist ein typisches Werk der Spätromantik. Ein verarmtes junges Paar kommt nach langen Jahren des Leidens wieder zu Geld, da ein verschwundenes Manuskript des Mannes wieder auftaucht und zu einem beliebten Buch wird. Am Ende wendet sich die ansonsten so traurige Geschichte komplett zum Guten.