Pull-Out-Projekte

Vorträge und Ausfahrten

Da von besonders Begabten erwartet wird, dass sie dem Unterrichtsstoff spielend folgen können und in der Regel eher unterfordert sind, vor allem mit Wiederholungen oder langen Erklärungen, ist es verantwortbar sie aus dem regulären Unterricht herauszuziehen und ihnen parallel dazu ‚enriched‘ Interessantes und Wissenswertes zu bieten. Die jüngeren Schüler und Schülerinnen, die als besonders begabt registriert sind, können an Vorträgen, Ausfahrten und Zusammenkünften mit anderen besonders Begabten teilnehmen. Die Vorträge und Ausfahrten liegen parallel zum regulären Unterricht. Die Angebote sind als zusätzliches, vertiefendes Lernen über Vorträge oder Besichtigungen auf hohem Niveau gedacht. Auf Grund ihres abstrakten Denkvermögens kommen auch Vorträge als Enrichment für sie in Frage. Manchmal werden sie zu Vorträgen mit eingeladen, die eigentlich für die Oberstufenschüler organisiert sind (z.B. Uni kommt in die Schule). Es wird von ihnen erwartet, dass sie sich ohne Aufforderung um den versäumten Unterrichtsstoff kümmern und ihn selbstständig nachholen. Zu diesem Programm gehören Astronomie-Vorträge, ein Vortrag über Lufthansa, ein Besuch des Planetariums, einer Sternwarte und anderer Bildungseinrichtungen. Während für die Vorträge die besonders Begabten für nur etwa zwei Stunden aus dem normalen Unterricht gezogen werden, sind die Besichtigungen eher ganztägig. Wie an anderer Stelle gesagt, werden Schüler-Paten zur Begleitung mit herangezogen. Auch die begleitenden Schüler versäumen regulären Unterricht und holen diesen selbstständig nach.

Wettbewerbsvorbereitung

Auch für die Vorbereitung auf Schüler-Wettbewerbe können Schüler oder Schülerinnen aus dem regulären Unterricht herausgehen um sich intensiv auf den Wettbewerb vorzubereiten. Sie müssen selbst entscheiden, in wie weit sie den regulären Unterricht verlassen können, um den letzten Schliff für die Befragung bei dem Schüler experimentieren/Jugend forscht Wettbewerb zu erhalten. In einem Schuljahr wurden die Teilnehmer von Jugend forscht und des Fremdsprachenwettbewerbs gleichzeitig für einen Schultag aus dem Unterricht freigestellt, um sich auf die Wettbewerbe vorzubereiten. Eine Zusammenfassung der naturwissenschaftlichen und sprachlichen Wettbewerbe bot sich an, da die Abgabe für Jugend forscht Ende Januar liegt und die erste schriftliche Runde der Fremdsprachenwettbewerbe ebenfalls in diesen Zeitraum fällt. Für den Fremdsprachenwettwerb sind Themenkorridore vorgegeben, auf die sich teilnehmende Schüler und Schülerinnen eigenständig vorbereiten können. Für den Jugend forscht Wettbewerb stellt die schriftliche Abgabe der Arbeit Ende Januar immer eine Hürde dar, selbst wenn Experimente erfolgreich abgeschlossen wurden. Die Schwierigkeit besteht darin, Lehrerstunden für diese Extras zur Verfügung zu stellen, denn der Lehrer oder die Lehrerin hat an einem Vormittag ja auch eigenen Unterricht zu geben.

Projekt Übergang

Der Übergang von der Grundschule aufs Gymnasium stellt für alle Kinder eine Herausforderung dar. Für Schülerinnen und Schüler mit besonderen Begabungen ist der Übergang zusätzlich mit spezifischen Problemen verbunden. Wissensvorsprünge und besondere Kompetenzen müssen von den Lehrkräften am Gymnasium häufig erst (neu) erkannt werden und zu hohe Erwartungen an das Lernen an der neuen Schule führen auf Seiten der Schülerinnen und Schüler leicht zu Enttäuschungen. Darüber hinaus kann das Fehlen angemessener Lernstrategien und Ordnungsstrukturen grundsätzliche Lernschwierigkeiten bewirken bzw. verstärken. Da viele hochbegabte Kinder in der Grundschule nur selten richtig gefordert werden, besteht aus der Perspektive der Schülerinnen und Schüler auch keine Notwendigkeit zur Entwicklung nachhaltiger Lernstrategien. In der Begabtenforschung werden methodische Kompetenzen und die Entwicklung von Lernstrategien jedoch ausdrücklich als wesentliche Schlüssel für einen gelingenden Übergang besonders begabter Schülerinnen und Schüler von der Grundschule auf das Gymnasium beschrieben. Ein weiteres Ziel des Kurses Übergang liegt zudem darin, die Schüler und Schülerinnen zu befähigen später im Drehtürmodell eigenständig lernen zu lassen. Im Rahmen des Projekts Übergang sollen die Schülerinnen und Schüler sowohl gezielt gefordert als auch gezielt gefördert werden. Dabei gilt es, die Motivation derer aufrecht zu erhalten, die mehr leisten wollen und können, als der Unterricht im Klassenverband bereitstellen kann. Gleichzeitig soll ein Beitrag geleistet werden, um auf Fälle vorliegenden oder zu vermutenden Underachievments zu reagieren bzw. diesem vorzubeugen. Das Projekt Übergang startete am Elsensee‑Gymnasium zum Schuljahresbeginn 2011/2012. In diesem Rahmen wurde ab Februar 2012 ein Kurs für die besonders begabten Schülerinnen und Schüler der 5. Klassen angeboten, für den sie einmal in der Woche aus dem regulären Unterricht (Pull-out Prinzip) herausgezogen werden. Der Kurs findet klassenübergreifend an Stelle des regulären Unterrichts jeweils im zweiten Halbjahr des fünften Jahrganges statt. Damit nicht zu häufig dasselbe Fach ausfällt, wird rotiert. Die gemeinsame Stunde liegt daher nicht fest, sondern wechselt ständig, liegt also einmal an einem Dienstag in der 3. Stunde, in der nächsten Woche trifft sich der Kurs Übergänge am Donnerstag in der 2. Stunde, dann wiederum am Montag in der 5. Stunde. Dafür wird ein komplexer Plan erstellt, den die Schüler und Schülerinnen erhalten, aber auch die Lehrkräfte, deren Unterricht betroffen ist. Der Kurs beinhaltet zwei Schwerpunkte. In der ersten Hälfte des Kurses geht es um die Organisation von Lernen. In der zweiten Hälfte steht das eigene forschend-entdeckende Lernen an selbst gewählten Themen im Mittelpunkt.

Fremdsprachentandem

Besonders sprachbegabte Schüler und Schülerinnen erhalten am Elsensee‑Gymnasium die Möglichkeit zwei neue Fremdsprachen gleichzeitig zu lernen, während die Klassenkameraden im gleichen Zeitraum eine weitere Fremdsprache erwerben. Für diese Fördermaßnahme kommen nur wenige Schüler und Schülerinnen in Frage, denn es werden sehr gute Fähigkeiten im Fremdsprachenlernen vorausgesetzt. Diese Lerner müssen im Fremdsprachenlernen eine schnelle Auffassungsgabe haben und weniger Zeit zum Üben benötigen. Schüler oder Schülerinnen müssen dem Englisch-Fremdsprachenlehrer schon aufgefallen sein. Das Tandem setzt ab Klasse 6, wenn die zweite Fremdsprache bei G 8 gewählt wird, ein. Es handelt sich bei dieser Fördermaßnahme um Akzeleration + Enrichment zugleich, was auch als Compacting bezeichnet wird. Zwei Schüler oder Schülerinnen bilden ein Tandem. Während in dem vierstündigen Fremdsprachenunterricht der eine Partner in Französisch sitzt, geht der andere in den Lateinunterricht. Dann werden die Materialien ausgetauscht, beispielsweise die Mitschriften fotokopiert oder abgeschrieben und die Hausaufgaben ausgetauscht. In den anderen beiden Fremdsprachenstunden geht der erste Partner zu Latein der zweite zu Französisch, so dass jeder der beiden an zwei Unterrichtsstunden pro Woche selbst teilnimmt, die anderen beiden Stunden eigenständig erarbeitet. Alle Klassenarbeiten beider Fächer werden mitgeschrieben. In einer Extra-Stunde wurde durch den Fachlehrer der Einstieg erleichtert, sei es, dass die Aussprache in Französisch oder die Verbformen in Latein geübt wurden. Im ersten Durchlauf des ‚Fremdsprachencompacting‘ ist das Tandem wegen der vielen Aktivitäten der einen Partnerin auseinander gebrochen. Die andere Teilnehmerin führt das Lernen beider Fremdsprachen allein fort. Sie erhält weiterhin von der früheren Partnerin die Mitschriften des einen Fachs. Für das andere Fach steht ihr eine Freundin zur Seite, die ihr nicht nur die Hausaufgaben und die Inhalte des Unterrichts mitteilt, sondern auch bei Bedarf etwas erklärt. Die Schülerin empfindet das doppelte Fremdsprachenlernen teilweise als Herausforderung, bekundet aber, dass es für sie insgesamt gut zu bewältigen ist. Sie hat zu Beginn der 8. Klasse nicht die dritte Fremdsprache Spanisch gewählt, was für sie die vierte Fremdsprache gewesen wäre, sondern sich für die MINT-Kurse (Angewandte Naturwissenschaften als Alternative zur dritten Fremdsprache) entschieden.