Presse

Die Zehntklässler absolvierten auch den Hindernisparcours für die Soldaten.
Auch dieses Hindernis konnte überwunden werden. (Fotos: pr)
Pinneberger Tageblatt vom 14. 6.2007
 
 
 

„Zisch" ab zur Bundeswehr

 

APPEN: Gymnasiasten besuchen die Unteroffizierschule in der Marseille-Kaserne

 

Die Unteroffizierschule in Appen: Große, rote Gebäude, eine Mauer und ein weißes Tor mit dem Schild „Achtung Schusswaffengebrauch!".

 

VON DER KLASSE 10 B DES ELSENSEE GYMNASIUMS IN QUICKBORN

 

In der Appener Marseille-Ka­serne wurden wir von Jugend­offizier Hauptmann Köhler begrüßt. Wir brachen auf, um die vier Stationen, die er für uns geplant hatte, in Angriff nehmen. Zunächst ging es mit schnellem Schritt zum Schieß­simulator AGSHP II (Ausbil­dungsschießsimulator für Handwaffen/ Panzerabwehr­waffen).

Im Vorraum des Simulators für das Schießtraining be­trachteten wir im Vorbeigehen die bei der Bundeswehr ge­bräuchlichen Waffen, die dort an der Wand in Reih und Glied aufgehängt waren. Von der Pistole bis hin zur Panzer­faust findet man hier alles.

 

Ein Szenario wie im Krisengebiet

 

Hauptmann Köhler führte uns dann in den Raum, in dem sich der Schießsimulator be­findet. Nach einer kurzen Ein­führung durch Sergeant Chief Sattler, einem französischen Offizier, der im Rahmen eines Austauschprogramms seit zweieinhalb Jahren seinen Dienst in Appen verrichtet und nahezu perfekt Deutsch spricht, begaben sich die Sol­daten und der Hauptmann in Position auf dem AGSHP II. Sie legten sich auf die Schieß­plattform, nahmen ihre Infra­rotwaffen in die Hand und machten sich bereit, auf den Bildschirm zu schießen. „Ent­sichern! Fertig laden! Feuer frei!"

 

Was hier wie ein Computer­spiel mit Waffen wirkte, ist ei­ne preisgünstige Einstiegsschießübung im Vergleich zum scharfen Schuss.

 

Unsere nächste Station war das Maingate. Sandsäcke, Stahlblöcke, Natodraht, bewaffnete Soldaten, ein Be­obachtungsturm – wir fühlten uns wie im Krisengebiet. Das Maingate in Appen ist eine na­turgetreue Nachbildung eines Stützpunktes im Einsatzgebiet der Bundeswehr. Der Haupt­mann erklärte, dass alles, was wir sehen, der Verteidigung dient: die Sandsäcke als Schutz für die Soldaten, die Stahlblöcke als Bremse für Au­tos mit hoher Geschwindig­keit, der Draht als Wegbegren­zung und die Soldaten zum Schutz.

 

In einem Basislager der Bundeswehr gibt es ärztliche Versorgung und Arbeit für Locals (Einheimische), sowie Es­sen und Trinken für Flüchtlin­ge und Bedürftige in diesen Gebieten. Zwei Soldaten führ­ten uns eine Durchsuchung ei­nes Zivilisten vor, der das La­ger betreten möchte. Die Vor­gehensweise war teilweise recht hart, jedoch dient dieses nur der eigenen Sicherheit. Zusätzlich wurde uns auch noch eine Fahrzeug-Kontrolle vor­geführt, bei der ein VW Bus als Demonstrationsobjekt fungierte. Die Kontrolleure forder­ten den Zivilisten auf, alle Tü­ren und mögliche Verstecke zu öffnen, wie bei einer Polizei­razzia. Die Aktion wirkte sehr real und das Auto wurde peni­bel durchsucht.

 

Umgang mit den Medien lernen

 

Anschließend begaben wir uns zum Mediencenter, wo wir eine Demonstration der UMSA (Unterricht Mitschau Anlage) erhielten. Der Refe­rent zeigte uns, wie die Solda­ten geschult werden, mit Me­dien und Reportern umzuge­hen: „Sie sollten nie die Kame­ra zuhalten, sonst heißt es gleich wieder, die Bundes­wehr hat etwas zu verbergen." Des Weiteren werden die Sol­daten im freien Sprechen trai­niert und lernen, wie sie vor ei­ner Gruppe von Menschen, beispielsweise vor ihrem Trupp, sprechen.

 

Als letzten Punkt hatte der Hauptmann einen Hindernis­lauf für uns vorgesehen. Die­sen müssen die Soldaten in der Regel mit Waffen und in voller Schutzbekleidung durchlaufen. Es werden alle Fähigkeiten gefragt vom Klet­tern über das Laufen und Rob­ben bis hin zum Springen und geschickten Fallenlassen aus der Höhe.

 

Freiwillige aus der Klasse zogen sich Blaumänner und Schutzhelme an und begaben sich mit den Soldaten zum ers­ten Hindernis. Sie mussten über eine Hürde springen. Als nächstes musste man eine aus Baumstämmen angefertigte Treppe erklimmen und sich dann aus gut zwei Metern fal­len lassen. Das dritte Hinder­nis war eine zwei Meter hohe Wand. „Wie überquere ich denn bitte eine mannshohe Mauer?“ Mit der richtigen Technik ist die Mauer zwar immer noch kein Kinderspiel, aber zu bewältigen – und zwar sowohl von Männern als auch von Frauen.

 

Anforderungen sind sehr hoch

 

Eines der letzten Hindernis­se war das schnelle Durchque­ren von Autoreifen, die auf dem Boden lagen, wobei sich der eine oder andere als sehr geschickt erwies.

Zum Abschluss kam eine Kompanie, die den Hindernis­lauf samt Verletzten und in voller Montur durchqueren sollte. Interessiert schauten wir ihnen zu und mussten zugeben, dass diese Übung bei ihnen schon gut klappte. Die­ser Tag bei der Bundeswehr war sehr interessant und hat gezeigt, dass man beim Bund Spaß haben kann. Die Anfor­derungen, nicht nur im sport­lichen Bereich, scheinen sehr hoch zu sein und es ist ein Job für Männer und Frauen, die bereit sind, Einsatz zu zeigen.